24. Februar 2026: Schlag nach bei Rilke!

Die aktuelle Selbstoptimierungs-Mode zeigt sich in Buchhandlungen und auf den sozialen Medien durch die Fülle an Ratgebern. Ich liefere hier keine Aphorismen von Rilke, die als Motivationssprüche herhalten; ich diskutiere auch nicht, wer oder was da optimiert werden soll – oder normiert? Meine Berufsjahre als Coach brachten mich immer wieder zu diesen Fragen, was da wer will und wie ich damit umgehe. Als Yoga-Trainerin beschäftigt es mich genauso: Was wollen die TeilnehmerInnen meiner Workshops? Und was ist mein Anliegen bei meinen Angeboten?

Hilfe holen, ist völlig okay, wenn Krisen allein nicht zu schaffen sind. Und Inspirationen für ein gelungenes Leben mag ich auch. Die Lektüre von Rainer Maria Rilke-Texten bringt Denkanstöße in so schön verpackten Worten – eben Rilke;-)! Die Briefe an einen jungen Dichter gelten nicht nur als immer noch aktueller Leitfaden für Künstler, um ihre Authentizität und ihr Selbstvertrauen zu entwickeln. Sie sind in meinen Augen für jeden geeignet, der grad verwirrt oder suchend ist.

Ein paar Zitate – ohne Kommentar, einfach zum Wirken lassen!;-)

„Schließlich wollte ich Ihnen ja auch nur raten, still und ernst durch Ihre Entwicklung durchzuwachsen; Sie können sie gar nicht heftiger stören, als wenn Sie nach außen sehen und von außen Antwort erwarten auf Fragen, die nur Ihr innerstes Gefühl in Ihrer leisesten Stunde vielleicht beantworten kann.“

„Da gibt es kein Messen mit der Zeit, da gilt kein Jahr, und zehn Jahre sind nichts. Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen, reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, den ich dankbar bin. Geduld ist alles!“

„Wenn Sie sich an die Natur halten, an das Einfach in ihr, an das Kleine, das kaum einer sieht, und das so unversehens zum Großen und Unermesslichen werden kann: Wenn Sie diese Liebe haben zu dem Geringen und ganz schlicht als ein Dienender das Vertrauen dessen gewinnen suchen, was arm scheint: dann wird Ihnen alles leichter, einheitlicher und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande vielleicht, der staunend zurückbleibt, aber in Ihrem innersten Bewusstsein. Wach sein und Wissen.“

„Und im Übrigen lassen Sie sich das Leben geschehen. Glauben Sie mir: das Leben hat recht, auf alle Fälle.“

 

Quelle: Gesammelte Werke. Rainer Maria Rilke, Anaconda Verlag 2013, Briefe an einen jungen Dichter Seite 103, 108, 111, 134.

— Posted on 24. Februar 2026 at 16:53 by

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